Hattusa: Eine Reise in die Geschichte Anatoliens
Hattusa in Boğazkale, Çorum, vereint als Hauptstadt der Hethiter Geschichte, Archäologie und Entdeckung unter freiem Himmel auf einer einzigen Route.

Manche Reisen führen ans Meer, andere in den Wald, wieder andere zu den ältesten Stimmen der Geschichte. Auf dem Weg nach Hattusa verändert sich die Landschaft und weitet sich zu den schlichten, offenen Panoramen Zentralanatoliens. Je näher man dem Bezirk Boğazkale in Çorum kommt, desto deutlicher wird: Die auf den ersten Blick stillen Hügel bewahren eine tausendjährige Vergangenheit. Dies ist nicht nur eine antike Stadt; es ist eine alte Hauptstadt, die tief im Gedächtnis Anatoliens verankert ist.
Hattusa liegt im Bezirk Boğazkale in Çorum und war die Hauptstadt der Hethiter. Laut dem Kulturportal wurde die Stadt 1986 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen und war über Jahrhunderte ein bedeutendes Zentrum Anatoliens als Hauptstadt des Hethiterreichs. Schon diese Information verändert den Blick auf Hattusa; denn beim Rundgang begegnet man hier nicht nur Steinmauern, sondern der Verwaltungs-, Glaubens- und Verteidigungsordnung eines Reiches.
Der Zauber Hattusas entsteht auch daraus, dass sich die Stadt über ein großes Gebiet erstreckt. Beim Besuch der antiken Stadt hat man das Gefühl, nicht durch einen Museumssaal zu gehen, sondern über eine gewaltige, unter freiem Himmel errichtete Bühne der Geschichte. Der Wind kommt über die Hügel, streicht zwischen den Steinen hindurch und erinnert daran, dass die Zeit hier ganz anders vergeht. Jedes Tor, jede Mauer, jede Anhöhe wirkt wie ein stilles Zeichen aus der Vergangenheit.
Einer der eindrucksvollsten Orte der Stadt ist das Löwentor. Dieses Tor, eines der starken Beispiele hethitischer Steinbearbeitung, wirkt nicht nur wie ein Eingang, sondern auch wie eine symbolische Botschaft an alle, die sich der Stadt nähern. Das Kulturportal weist darauf hin, dass es in Hattusa monumentale Tore wie das Löwentor, das Königstor, das Sphingenstor und Yerkapı gibt und dass die Stadtmauern in der hethitischen Zeit rund sechs Kilometer lang waren.
Zu den Besonderheiten Hattusas gehört auch, dass hier nicht nur architektonische Überreste, sondern auch schriftliches Gedächtnis erhalten ist. Die am Fundort entdeckten Keilschrift-Tablettenarchive stehen seit 2001 auf der UNESCO-Liste des Weltdokumentenerbes. In denselben Quellen wird Hattusa als „Stadt der tausend Götter“ bezeichnet; ein Ausdruck, der zeigt, wie bedeutend die Stadt nicht nur politisch, sondern auch religiös war.
Beim Rundgang durch die antike Stadt führen Büyükkale, der Große Tempel, Yerkapı und die Mauerreste den Besucher immer wieder in eine andere Epoche. Die Gouverneurskanzlei von Çorum gibt an, dass in Hattusa bislang zahlreiche Bauten und Überreste freigelegt wurden, darunter Paläste und Tempel, Tausende von Tafeln, monumentale Tore, Getreidespeicher, der Hieroglyphenraum und die Nişantepe-Inschrift. Deshalb ist Hattusa kein Ort für einen kurzen Fotostopp, sondern ein weitläufiges Gelände, das man in Ruhe erkunden sollte.
Für die Anreise ist es sinnvoll, etwas mehr Zeit einzuplanen. Hattusa liegt etwa 90 Kilometer vom Stadtzentrum Çorums, 29 Kilometer von Sungurlu und 1 Kilometer vom Zentrum des Bezirks Boğazkale entfernt. Besonders im Sommer, wenn das Gelände weitläufig und offen ist, machen Hut, Wasser und bequemes Schuhwerk den Besuch deutlich angenehmer. Für alle, die fotografieren möchten, bringen der frühe Morgen oder die Zeit kurz vor Sonnenuntergang die Struktur der Steine besonders schön zur Geltung.
Beim Abschied von Hattusa bleibt einem weniger das Bild einer geschäftigen, prachtvollen Stadt als vielmehr eine tiefe Stille, die sich zwischen den Steinen niedergelassen hat. Diese Stille ist das eindrucksvollste, was die Ordnung, Glaubenswelt und Macht der Hethiter in Anatolien bis heute spürbar macht. Hattusa sollte man nicht einfach als „antike Stadt“ auf die Reiseliste setzen; man sollte sie als besondere Route betrachten, die man wählt, wenn man der Vergangenheit wirklich begegnen möchte.
